Toyota Land Cruiser J4

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Wenn man älter wird, entwickelt man auch die eine oder andere Marotte…

Vom Land Cruiser infiziert bin ich eigentlich schon, seit ich 1995 zum ersten Mal einen im Urlaub gefahren bin – damals war es allerdings schon das Nachfolgemodell zu diesem hier. Ähnlich wie bei vielen anderen „Infektionen“ kommt auch diese schubweise immer mal wieder zum Ausbruch, nachdem sie jahrelang unbemerkt ihr Dasein gefristet hat….

1995 war es ein HZJ75 mit dem legendären 4,2 Liter Reihensechszylinder Saugdiesel, der einem schon beim Starten ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern kann (wahlweise auch nur ein Kopfschütteln). Ein neuer HZJ kam für mich nie in Frage, selbst gebraucht sind die sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt weit jenseits von dem, was ich dafür auszugeben bereit bin bevor ich im Lotto gewonnen habe. Die aktuellsten Modelle gibt es zwar inzwischen mit Euro 5 und grüner Umweltplakette – aber Hubraum bleibt Hubraum, auch bei reduziertem Steuersatz kommt da noch ein hübscher Betrag zusammen. Und die reguläre Preisliste beginnt irgendwo jenseits von 50.000€.
Alternativ habe ich mir (natürlich) auch mal den Land Rover Defender angeschaut. Da war aber schon nach der ersten Probefahrt klar, dass ich mit 1,90m einfach ein paar Zentimeter zu groß für dieses Auto bin; der Fahrersitz läßt sich ohne Umbau für mich nicht weit genug nach hinten schieben. Ganz abgesehen davon, dass die Sitzposition im Defender sowieso gewöhnungsbedürftig ist.

Über die Jahre kristallisierte sich dann die Baureihe J4 als Ziel meiner Wünsche heraus. Da diese Autos nur bis 1984 gebaut wurden, erledigt sich das Thema mit Steuer und Versicherung quasi von selbst: Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre und in einem „erhaltenswerten Zustand“ sind, dürfen in Deutschland als Oldtimer mit einem H-Kennzeichen zugelassen werden und unterliegen dann nur noch einer pauschalen Steuer von 192€ pro Jahr; die Versicherung beinhaltet meistens eine begrenzte Laufleistung pro Jahr, ist aber ebenfalls deutlich günstiger als für „normale“ PKW (oder LKW). Es ist vollkommen unproblematisch, einen 2,8 Tonnen schweren Geländewagen mit 3,5 oder mehr Liter Hubraum ohne Umweltplakette für unter 400€ im Jahr zu versichern (Haftpflicht + Teilkasko mit 150€ Selbstbeteiligung).
Im Unterhalt ist das Alter also ein Vorteil – nur leider nicht bei der Anschaffung. Der Markt ist relativ überschaubar, gut erhaltene Exemplare werden zu saftigen Preisen gehandelt. Wenn man sich die Autos mal genauer anschaut, versteht man auch sofort den Grund: Rostschutz war in den 80ern noch nicht wirklich ein Thema. Zusätzlich sind beim J4 etliche Bleche in mehrfachen Lagen verarbeitet, zwischen denen sich ein idealer Nährboden für Rostnester von nahezu beliebiger Größe befindet. Das Risiko, irgendwann hinter einer harmlos aussehenden Rostblase sein blaues bzw braunes Wunder zu erleben, ist fast schon ein fest planbarer Kostenfaktor. Fast alles kann noch repariert werden, viele Ersatzteile gibt es sogar noch neu – aber der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Für eine komplette Restaurierung gehen schnell mal 500 und mehr Arbeitsstunden beim Profi drauf – je nach Ausgangszustand.

J4 beim Buschtaxitreffen 2016

Die Form muß man mögen, auch mit dem „Fahrkomfort“ muß man sich anfreunden. Der J4 hat blattgefederte Starrachsen und meistens keine Servolenkung – da fährt man Kurven automatisch langsamer an, und Muskulatur kann man zusätzlich auch noch ganz nebenbei aufbauen. Radio braucht man während der Fahrt nicht, das wird sowieso von der Geräuschkulisse übertönt. Dafür bullert vor einem aber ein fast unkaputtbarer großvolumiger Dieselmotor, wahlweise mit vier oder sechs Zylindern und je nach Baujahr irgendwo zwischen 56-77kW (76-105PS) aus 3,0-4,0l Hubraum ohne Turbo und ohne Elektronik. Dank der hohen Sitzposition schwebt man irgendwie über den Dingen und merkt gar nicht, dass man auch bei Vollgas auf der Autobahn kaum über 120km/h kommt. Aber die Autobahn ist auch nicht wirklich der natürliche Lebensraum dieser Autos, eher nur ein notwendiges Übel zur Überbrückung. Mit vier Trommelbremsen – Scheibenbremsen vorne gab es erst in den letzten Baujahren – sind hohe Geschwindigkeiten die kurze Reaktionszeiten erfordern auch nicht so richtig vereinbar. Im J4 Land Cruiser fährt man fast automatisch bedächtig und vorausschauend…

BJ40 mit Dachzelt (Modell)Wenn schon ein unpraktisches Auto, dann wenigstens eins mit Zusatznutzen: ein klein wenig trauere ich immer noch meinem Wohnmobil nach. Es hat einfach Vorteile, auch mal problemlos ohne großartige Vorbereitung oder Verrenkungen im Auto übernachten zu können. Auch das geht natürlich im J4 – nur halt nicht in den Modellen mit kurzem Radstand wie im Bild oben. Bei denen hilft nur ein Dachzelt, was wiederum einen gewissen Aufwand bei Auf- und Abbau erfordert und auch nicht für jedes Wetter geeignet ist. Zum Glück gibt es noch ein paar seltene Exemplare mit langem Radstand, die 45er.

Kurzer Exkurs zu den Modellbezeichnungen der alten Landcruiser: sie sind immer nach dem gleichen Schema „mJxy“ aufgebaut. Vor dem J (tatsächlich J wie „Jeep“) steht eine Motorbezeichnung, also bspw. B für die 4-Zylinder Diesel oder H für die 6-Zylinder; direkt hinter dem J kommt die Baureihe (2, 4, 5, 6, 7, …) und am Ende kommt eine Kombination aus Radstand und Generation innerhalb der Baureihe. Die ganz kurzen Radstände heißen zuerst (ab 1974) BJ40, später (ab 1980) dann BJ42; der ganz lange Radstand heißt BJ45 (4 Zylinder, 1980-84) bzw HJ45 (ab 1973) und später dann HJ47 (ab 1980, mit stärkerem Motor).

Lernerfolgskontrolle: was ist ein HZJ78? Richtig: Motor HZ (genauer 1HZ), Baureihe J7, langer Radstand.

HJ45 in Afrika von csharker / Pixabay

Der erste Schritt ist getan: die Problemstellung ist grob umschrieben. Ich suche einen J4 mit langem Radstand und Hardtop (die gab es auch als Pickup), also einen BJ45, HJ45 oder HJ47. Er soll als Oldtimer anerkannt sein (H-Gutachten nach §23 StVZO), rostfrei sein und problemlos seine TÜV-Plakette bekommen. Je nach Versicherung braucht es dann noch ein kurzes Wertgutachten, in dem der Erhaltungszustand in einer Schulnote von 1 (neuwertig oder besser) bis 5 (unvollständig, nicht fahrbereit) festgehalten wird. Schlechter als Note 3 wird schon nicht mehr von jedem versichert. Natürlich muss die Technik unter dem (rostfreien, hatte ich das schon erwähnt?) Blech problemlos funktionieren und schnurren wie eine große Nähmaschine. Ich bin kein KFz-Schlosser, mehr als Tanken, Waschen und Abschmieren kann ich kaum selbst erledigen. Und was nutzt ein großes Auto, in dem niemand mitfahren darf? Wenig. Deswegen soll er mindestens drei eingetragene und (im Rahmen der historischen Möglichkeiten) komfortable Sitzplätze haben, gerne auch mehr. Ach ja, halbwegs bezahlbar sein sollte er auch, schließlich habe ich immer noch nicht im Lotto gewonnen. Dummerweise sind gut erhaltene oder restaurierte Exemplare gerne 30-35.000€ wert – was nicht heißt, dass sie zu diesen Preisen auch gehandelt werden. Eher im Gegenteil: wer noch einen hat, behält ihn so lange wie möglich. Und die, die dann im Markt angeboten werden, sind meistens in einem erbärmlichen Zustand, der nicht den geringsten Bezug zur Preisvorstellung des Verkäufers hat (Das gilt allerdings generell für alle J4 unabhängig vom Radstand).

Jetzt muss ich „eigentlich“ „nur noch“ einen finden, der in dieses Beuteschema passt…

„You have to kiss a lot of frogs to find your prince“

 

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